Kurz gesagt: § 35b Abs. 3 ApBetrO verlangt eine geeignete Räumlichkeit mit der Ausstattung, die für Blutentnahmen und den Umgang mit Komplikationen nötig ist. Während der Entnahme darf der Raum nicht anderweitig genutzt werden, die Hygienemaßnahmen müssen umgesetzt sein, die Privatsphäre ist zu schützen, und apothekenpflichtige Arzneimittel dürfen nicht unbefugt zugänglich sein. Raum und Ablauf zeigen Sie spätestens eine Woche vor dem Start der zuständigen Behörde an (§ 2 Abs. 3b ApBetrO).
Seit dem Inkrafttreten des ApoVWG und des neuen § 11c ApoG am 02.07.2026 dürfen Apotheken die venöse Blutentnahme als privat abrechenbare Leistung anbieten. Die wohl häufigste Frage von Inhaberinnen und Inhabern: Was bedeutet das für meine Räume? Die gute Nachricht vorweg, in den meisten Fällen genügt ein vorhandener Beratungs- oder Nebenraum, ein separater Anbau ist nicht nötig.
Was § 35b ApBetrO für den Raum verlangt
Die räumlichen und hygienischen Anforderungen regelt § 35b ApBetrO. Vorgeschrieben ist eine geeignete Räumlichkeit, die während der Entnahme nicht anderweitig genutzt wird und eine sichere, hygienisch einwandfreie Durchführung erlaubt. Die konkrete Ausgestaltung liegt bei Ihnen und orientiert sich an den Gegebenheiten vor Ort. In der Praxis kommt es vor allem auf diese Punkte an:
- Ein Bereich, der Diskretion bietet und während der Entnahme ausschließlich diesem Zweck dient.
- Leicht zu reinigende Oberflächen an Arbeitsflächen, Boden und Mobiliar.
- Eine Möglichkeit zur Händehygiene und desinfizierbare Kontaktflächen.
- Vorkehrungen für das Komplikationsmanagement, etwa bei Kreislaufreaktionen.
- Fachgerechte, getrennte Entsorgung von Kanülen und Verbrauchsmaterial.
Ausstattung, Hygiene und Entsorgung
Für die Ausstattung reicht meist überschaubares Inventar. Sinnvoll sind eine Liege oder ein Entnahmestuhl mit Armstütze, eine desinfizierbare Arbeitsfläche, ein durchstichsicherer Abwurfbehälter sowie Erste-Hilfe-Material für den Fall einer Kreislaufreaktion. Ein schriftlicher Hygieneplan legt Reinigungs- und Desinfektionsintervalle fest und macht den Prozess nachvollziehbar.
Die Entsorgung von Kanülen und kontaminiertem Material erfolgt getrennt in zugelassenen Behältern und über einen zugelassenen Entsorger. Wer diesen Ablauf sauber dokumentiert, schafft Rechtssicherheit gegenüber der Aufsicht. Die venöse Entnahme selbst setzt zusätzlich die ärztliche Schulung nach § 11c voraus. Die Grundlagen zu den Entnahmeformen finden Sie im Beitrag Blutentnahme in der Apotheke.
In den meisten Apotheken genügt ein bestehender Beratungs- oder Nebenraum. Unser schlüsselfertiges Aufbaupaket liefert ein fertiges Raum- und Hygienekonzept samt Checkliste, Ausstattungsliste und Entsorgungsleitfaden, statt monatelanger Eigenrecherche.
In 60 Sekunden prüfen, ob Ihr Raum passt
Ob Ihr vorhandener Raum die Anforderungen nach § 35b erfüllt, lässt sich schnell einschätzen. Unser 60-Sekunden-Check fragt die entscheidenden Punkte ab und zeigt Ihnen, was in Ihrer Apotheke noch fehlt. Auf dieser Basis erhalten Sie ein konkretes Raum- und Hygienekonzept, mit dem Sie die venöse Blutentnahme rechtssicher und ohne bauliche Großprojekte anbieten können.
Häufige Fragen
Braucht die Apotheke für die Blutentnahme einen separaten Raum oder Anbau?
Nein, ein baulicher Anbau ist in der Regel nicht erforderlich. § 35b ApBetrO verlangt eine geeignete Räumlichkeit, die während der Entnahme nicht anderweitig genutzt wird und eine hygienisch einwandfreie Durchführung erlaubt. In den meisten Apotheken erfüllt ein bestehender Beratungs- oder Nebenraum diese Vorgaben.
Welche Anforderungen stellt § 35b ApBetrO an den Raum?
Der Raum muss Diskretion bieten, während der Entnahme ausschließlich diesem Zweck dienen und leicht zu reinigende Oberflächen haben. Hinzu kommen Vorkehrungen für Hygiene, für ein mögliches Komplikationsmanagement und für die fachgerechte Entsorgung von Kanülen. Die konkrete Ausgestaltung liegt in Ihrer Verantwortung und richtet sich nach den örtlichen Gegebenheiten.
Welche Ausstattung braucht der Raum für die venöse Blutentnahme?
Sinnvoll sind eine Liege oder ein Entnahmestuhl mit Armstütze, eine desinfizierbare Arbeitsfläche, eine Handhygiene-Möglichkeit sowie ein durchstichsicherer Abwurfbehälter für spitze Gegenstände. Verbrauchsmaterial und Erste-Hilfe-Ausstattung für Kreislaufreaktionen gehören ebenfalls dazu.
Wie muss der Hygiene- und Entsorgungsprozess ablaufen?
Flächen und Materialien müssen eine hygienisch einwandfreie Entnahme sicherstellen, dokumentiert über einen Hygieneplan mit Reinigungs- und Desinfektionsintervallen. Kanülen und kontaminiertes Material werden getrennt in zugelassenen Behältern gesammelt und über einen zugelassenen Entsorger abgeholt. Ein schriftliches Hygienekonzept schafft hier Rechtssicherheit.
Wie lange dauert die Einrichtung des Raums?
Wenn ein geeigneter Raum vorhanden ist, geht es meist um Ausstattung und Prozesse, nicht um Bauarbeiten. Mit einem fertigen Raum- und Hygienekonzept lässt sich die Einrichtung in wenigen Tagen umsetzen, statt monatelang eigene Vorgaben zu recherchieren.
Quellen
- § 35b ApBetrO, Blutentnahmen: Personal, Raum, Aufklärung, Dokumentation (gesetze-im-internet.de)
- § 2 ApBetrO, Pflichten des Apothekenleiters, Abs. 3b Blutentnahmen (gesetze-im-internet.de)
- § 2a ApBetrO, Qualitätsmanagementsystem (gesetze-im-internet.de)
Stand: 12. Oktober 2026. Orientierung, keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist der jeweils aktuelle Gesetzestext.