Kurz gesagt: Venös Blut abnehmen dürfen approbierte Apothekerinnen und Apotheker nach ärztlicher Schulung (§ 11c ApoG). Sie können die Entnahme an ärztlich geschulte Pharmazeut:innen im Praktikum (PhiP) delegieren, die dann unter Aufsicht arbeiten. PTA und das übrige Personal unterstützen nur bei Vorbereitung und Dokumentation. Aufklärung, Anamnese und Einwilligung sind in keinem Fall delegierbar.
Berechtigt sind geschulte, approbierte Apotheker:innen
Das seit dem 2. Juli 2026 geltende Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) hat mit § 11c ApoG die Rechtsgrundlage geschaffen. Nach Absatz 1 dürfen Apothekerinnen und Apotheker venös Blut abnehmen, wenn sie eine ärztliche Schulung erfolgreich absolviert haben. Die Apothekenbetriebsordnung wiederholt das in § 35b Abs. 2 ApBetrO: Entnahme, Aufklärung und Einholung der Einwilligung führen nur so qualifizierte Apotheker:innen durch. Details zur Schulung finden Sie im Ratgeber zur ärztlichen Schulung.
PhiP: Entnahme per Delegation, unter Aufsicht
Pharmazeutinnen und Pharmazeuten im Praktikum (PhiP) befinden sich in der praktischen Ausbildung zum Apotheker. Für sie gilt § 11c Abs. 3 ApoG: Geschulte Apotheker:innen dürfen ihnen die venöse Entnahme übertragen, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:
- Die PhiP haben selbst eine ärztliche Schulung erfolgreich abgeschlossen.
- Die Entnahme findet unter Aufsicht der delegierenden Apothekerin oder des delegierenden Apothekers statt.
- Aufklärung, Anamnese und Einwilligung übernimmt weiterhin die Apothekerin oder der Apotheker. Diese drei Schritte sind ausdrücklich nicht delegierbar.
Für die Schulung der PhiP sieht § 11c Abs. 4 ApoG ein eigenes Muster-Curriculum vor. Wo es steht, zeigt die Seite zum Muster-Curriculum.
PTA: Vorbereitung und Dokumentation
PTA (pharmazeutisch-technische Assistent:innen) und das übrige Apothekenpersonal führen die Entnahme nicht durch. Nach § 35b Abs. 2 ApBetrO dürfen sie bei der Vorbereitung und der Dokumentation unterstützen, wenn sie dafür unterwiesen wurden und die Unterweisung schriftlich festgehalten ist. Im Alltag heißt das:
- Terminorganisation und Empfang der Kundinnen und Kunden.
- Vorbereitung von Raum, Material und Auftrag im Portal.
- Dokumentation und Nachbereitung, inklusive Probenlogistik zum Labor.
Aufklärung und Einwilligung gehören nicht auf diese Liste. Beides muss die geschulte Apothekerin oder der geschulte Apotheker selbst führen, die Aufklärung nach § 35b Abs. 4 ApBetrO mündlich. Die Grundlagen zu den Entnahmeformen erklärt der Ratgeber Blutentnahme.
Die Inhalte der Schulungen konkretisieren die beiden Muster-Curricula von Bundesapothekerkammer und Bundesärztekammer, die das Gesetz bis zum 2. November 2026 vorsieht. An der Rollenverteilung ändert das nichts: Ohne ärztliche Schulung darf niemand venös Blut abnehmen, und PTA bleiben bei Vorbereitung und Dokumentation. Dieser Beitrag ist eine Orientierung und keine Rechtsberatung.
Was Ihre Apotheke jetzt klären sollte
- Durchführende benennen: Welche approbierten Apotheker:innen machen die Schulung, und soll eine PhiP ebenfalls geschult werden?
- Team-Rollen festlegen: Wer übernimmt Organisation, Vorbereitung und Dokumentation, und wer unterweist diese Personen schriftlich?
- Rahmen prüfen: Raum- und Hygieneanforderungen nach § 35b ApBetrO sowie die Haftpflicht klären.
Die vollständige Reihenfolge bis zur ersten Entnahme zeigt die Start-Checkliste. Wie das schlüsselfertig aussieht, zeigt unsere Lösung. Wo Ihre Apotheke steht, ermitteln Sie im 60-Sekunden-Check.
Häufige Fragen
Wer darf in der Apotheke venös Blut abnehmen?
Approbierte Apothekerinnen und Apotheker, die die ärztliche Schulung nach § 11c Abs. 1 ApoG erfolgreich absolviert haben. Sie dürfen die Entnahme an Pharmazeutinnen und Pharmazeuten im Praktikum delegieren, wenn diese ebenfalls ärztlich geschult sind und unter ihrer Aufsicht arbeiten. PTA dürfen selbst kein Blut abnehmen.
Dürfen PTA venös Blut abnehmen?
Nein. Nach § 35b Abs. 2 ApBetrO darf das übrige Apothekenpersonal nur bei der Vorbereitung und der Dokumentation der Blutentnahme unterstützen, und zwar nach einer Unterweisung, die schriftlich festgehalten wird. Die Entnahme selbst sowie Aufklärung, Anamnese und Einwilligung sind PTA nicht erlaubt.
Dürfen PhiP (Pharmazeuten im Praktikum) Blut abnehmen?
Ja, unter Bedingungen. § 11c Abs. 3 ApoG erlaubt geschulten Apotheker:innen, die venöse Entnahme an Personen in der praktischen Ausbildung zum Apotheker zu delegieren. Voraussetzung ist eine eigene, erfolgreich abgeschlossene ärztliche Schulung und die Aufsicht der delegierenden Person. Aufklärung, Anamnese und Einwilligung bleiben bei der Apothekerin oder dem Apotheker.
Braucht es für die venöse Blutentnahme immer eine Schulung?
Ja. Sowohl Apotheker:innen als auch delegierte PhiP brauchen eine ärztliche Schulung mit Erfolgsnachweis. Für beide Gruppen soll die Bundesapothekerkammer zusammen mit der Bundesärztekammer bis zum 2. November 2026 je ein Muster-Curriculum vorlegen.
Welche Aufgaben dürfen PTA übernehmen?
Vorbereitung und Dokumentation nach dokumentierter Unterweisung, dazu alles Organisatorische wie Terminvergabe, Empfang, Materialbestand und die Probenlogistik zum Labor. Aufklärung, Anamnese und Einwilligung gehören nicht dazu: Das Gesetz behält sie geschulten Apotheker:innen vor.
Quellen
- § 11c ApoG, venöse Blutentnahme durch Apotheker (gesetze-im-internet.de)
- § 35b ApBetrO, Blutentnahmen: Personal, Raum, Aufklärung, Dokumentation (gesetze-im-internet.de)
- § 2 ApBetrO, Pflichten des Apothekenleiters, Abs. 3b Blutentnahmen (gesetze-im-internet.de)
Stand: 8. Oktober 2026. Orientierung, keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist der jeweils aktuelle Gesetzestext.